Bibliosuisse: Entschleunigen und dann entscheiden

Nach der Tagung in Biel hat die Arbeitsgruppe die Projektplanung angepasst


Die Tagung Bibliosuisse in Biel ist ein Erfolg für die Verbände BIS und SAB: Mehr als 100 Mitglieder haben über die Zukunft der Verbände diskutiert. Die Arbeitsgruppe analysierte die Resultate und zieht daraus Konsequenzen: Tempo reduzieren und «Bibliosuisse» konkretisieren. 

Die Tagung zur Zukunft der Bibliotheksverbände hat über 100 Personen motiviert, sich einen Tag lang mit Verbandsstrukturen, Verbandspolitik und Interessenvertretung zu beschäftigen. Die beiden Verbände BIS und SAB waren je etwa gleich stark vertreten und die Präsenz der französischsprachigen Schweiz mit rund einem Drittel war höchst erfreulich. Die Tagung Bibliosuisse war auch bezüglich Vertretung der verschiedenen Bibliothekstypen repräsentativ.  

Vor- und Nachteile

Die Diskussionen über Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken eines einzigen Bibliotheksverbandes sowie die Diskussionen im Format «World Café» zu Finanzen/Strukturen, Aus- und Weiterbildung, Kommunikation und offenen Fragen führten zu einem regen Austausch. Diese Begegnungen wurden als ausserordentlich bereichernd und interessant erlebt. Es wurde allgemein begrüsst, dass die Mitglieder zu einem frühen Zeitpunkt in die Diskussion einbezogen wurden. Zusammen mit der fast perfekten Organisation stiess die Tagung auf breite Anerkennung und Zustimmung und hat einen Beitrag zur Verständigung über Sprachgrenzen und Bibliothekstypen hinweg geleistet. Die Resultate stehen auf den Webseiten der beiden Verbände in Rohform frei zugänglich zur Verfügung. 

Für die Mehrheit der Teilnehmenden war völlig klar, dass ein Zusammenschluss zu einem Verband die Präsenz in der Öffentlichkeit, das politische Lobbying und die Kommunikation entscheidend verbessern würde. Andererseits wurden Bedenken und Vorbehalte zum Zeitplan geäussert. Der begonnenen Diskussion sollte mehr Zeit eingeräumt werden, um sie zu vertiefen und offene Fragen zu klären. Generell wurden Ängste formuliert bezüglich der Vertretung verschiedener Bibliothekstypen und -grössen und der Berücksichtigung sprachlicher und regionaler Minderheiten.

Das Modell eines gemeinsamen Verbandes sollte zudem bezüglich Organisation, Strukturen und Beitragsmodell konkreter dargestellt werden, damit der Entscheid für oder gegen einen Zusammenschluss auf solider Basis gefällt werden kann. 

2017 diskutieren, 2018 entscheiden 

Die von den Vorständen beauftragte Arbeitsgruppe hat aus den Resultaten Schlüsse gezogen und Entscheide gefällt: Das Tempo wird reduziert und der bisherige Zeitplan angepasst. Das Jahr 2017 soll genutzt werden, um Arbeits- und Interessengruppen in die Entwicklung miteinzubeziehen und die Diskussion mit den Verbandsmitgliedern zu vertiefen.

Zweitens konzentriert sich die Arbeitsgruppe auf die Erarbeitung von Organisationsvarianten und Strukturen eines gemeinsamen Verbandes. Die Mitglieder sollen optimal informiert werden und Grundlagen erhalten, die es ihnen nach eingehender Diskussion erlauben, über die Zukunft der Schweizer Bibliotheksverbände zu entscheiden.

Im ersten Quartal 2018 könnten dann ausserordentliche Generalversammlungen von BIS und SAB über den Zusammenschluss entscheiden. Bei einer Zustimmung würde der Bibliothekskongress Ende August 2018 in Montreux den Beginn einer neuen Ära für die Schweizer Bibliotheken markieren. 

Engere Zusammenarbeit 

Die Vorstände von BIS und SAB/CLP haben an einer gemeinsamen Retraite den Bericht der AG Bibliosuisse zur Kenntnis genommen und sie zusätzlich beauftragt, auch die engere Zusammenarbeit weiter zu verfolgen, wofür eine Untergruppe gebildet wird.

An einer gemeinsamen Sitzung werden 2017 die Vorstände über eine engere Zusammenarbeit oder den Zusammenschluss entscheiden. Für den letzteren Fall sind die Zustimmungen der Generalversammlungen nötig, wobei erhöhte Quoren gelten: ¾ bei SAB/CLP und  ⅔ der Teilnehmenden bei BIS.

06.12.2016
06.12.2016
Kategorie: Arbeitsgruppen, Verbandsaktivitäten, Nachrichten