Kriminelle Bibliotheken

Zwischen Informationsfreiheit und Urheberrecht


Buch-Scanstation (Quelle: Universität Wien)

Bibliotheken stecken in einer digitalen Zwickmühle. Wenn sie etwa ihre Kataloge zeitgemäss gestalten wollen, geraten sie unversehens in Konflikt mit dem Urheberrecht. Eine 2012 von Bundesrätin Simonetta Sommaruga einberufene Arbeitsgruppe hat solche Konflikte gesammelt, diskutiert und Massnahmen vorgeschlagen. Der Dachverband der Bibliotheken BIS nimmt Stellung zu ihrem Schlussbericht.

Hugo Balls Dada-Lyrik auszuleihen ist kein Problem. Würden Bibliotheken das Buch jedoch als Scan ins Netz stellen, wäre es illegal. Schon nur wenn sie beispielsweise das Titelbild und den Klappentext in ihrem lnternetkatalog abbilden, können Bibliotheken mit dem Urheberrecht in Konflikt geraten. Nun soll dies wenigstens legal möglich werden. Die Arbeitsgruppe zum Urheberrecht AGUR12 empfiehlt in ihrem nun vorliegenden Schlussbericht, dass die Bibliotheken ihre Bestandesverzeichnisse neu mit Inhaltsangaben versehen können.

Die Spezialistin für Rechtsfragen beim BIS, Danielle Kaufmann, freut sich über diesen Entscheid. "Das ist ein grosser Erfolg für uns, denn damit anerkennt AGUR12 die Bedeutung der Bibliotheken für die Gesellschaft." Es sei ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn damit noch nicht alle Forderungen des Verbandes erfüllt sind.

Immer mehr Medien existieren in digitaler Form und zum Teil nur noch so und immer mehr Nutzer fordern digitalisierte Information, die überall und jederzeit abrufbar ist. Selbst bis anhin nur analog existierende Medien wie beispielsweise Klassiker der Literatur werden zum Herunterladen verlangt.

Die Bibliotheken wollen solche Anforderungen integrieren, ist es doch ihre Aufgabe, der Allgemeinheit kostengünstigen Zugang zu Wissen zu verschaffen, Informationen aufzubereiten, für kommende Generationen zu sammeln und zu archivieren. Mit zunehmender Digitalisierung stossen sie aber schnell an urheberrechtliche Grenzen. Soll das Angebot attraktiv bleiben, müssen Bibliotheken teilweise sehr teure Lizenzen kaufen, tun sie es nicht, verlieren sie ihre Kundschaft, zumal auch illegale Gratisangebote zur Verfügung stehen.

Um ihren Auftrag wahrnehmen und ihren service public sicherstellen zu können, brauche es weitere gesetzliche Grundlagen, fordert der Verband, der in der Arbeitsgruppe durch den Dachverband der Urheber- und Nachbarrechtsnutzer DUN vertreten wurde. Was den Bibliotheken analog erlaubt ist, soll ihnen auch digital gestattet sein.

Weitere Informationen:

Danielle Kaufmann, danielle.kaufmann(at)unibas.ch, 079 381 20 72

www.urheberrecht.ch

www.bis.ch

Aarau, 6. Dezember 2013

06.12.2013
06.12.2013
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